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![]() | 3 Zwei Wege, ein Ziel: OpenPGP & S/MIME | Inhalt |
Wie so oft gibt es für das gleiche Ziel verschiedene Wege, ähnlich ist es auch in der Verschlüsselung Ihrer E-Mails mit den Standards OpenPGP und S/MIME. Beide Standards und ihre Umsetzungen in Software ermöglichen die E-Mail-Veschlüsselung mit Freier Software, wie zum Beispiel Gpg4win.
Beim Verschlüsseln bzw. bei der Sicherheit der geheimen Datenübertragung sind zwei Perspektiven wichtig, einmal die Gewährleistung der Geheimhaltung und zum anderen die Authentizität des Absenders. Authentizität bedeutet hier, dass der Inhalt auch tatsächlich vom besagten Absender ist.
Konzeptionell steckt hinter OpenPGP und S/MIME das gleiche System zur Geheimhaltung, und zwar das Public-Key-Verfahren. Was heisst das?
Nehmen wir an, die E-Mail oder die Datei sei in einer Truhe verschlossen. Im Gegensatz zu einem „normalen“ Schloss mit einem Schlüssel gibt es beim Public-Key-Verfahren zum Verschlüsseln/Entschlüsseln ein Schlüsselpaar. So gibt es einen beglaubigten Schlüssel zum Verschlüsseln (das „Zertifikat“) und einen Schlüssel zum Entschlüsseln (der „Geheimer Schlüssel“).
Klingt zwar komisch, wenn man an echte Schlösser denkt, aber bei Software löst diese Idee das Problem, dass ich meinen Schlüssel für jeden Empfänger aus der Hand geben müsste. Denn normalerweise muss ein Schlüssel zum Verschlüsseln/Abschließen auch zum Entschlüsseln bzw. Aufschließen benutzt werden. Also müsste ich Ihnen, wenn ich etwas für Sie in der Truhe verschließe, die Truhe und den Schlüssel geben. Wenn der Schlüssel bei der Übertragung abhanden kommt oder jemand davon eine Kopie erstellt, ist das ein großes Problem.
Beim Public-Key-Verfahren verschließe ich mit Ihrem „Zertifikat“ die Truhe und Sie schließen die Truhe mit Ihrem „Geheimen Schlüssel“ auf. Ich muss also nur die Truhe zu Ihnen transportieren lassen. Das ist auf jeden Fall sicherer als den geheimen Schlüssel mit zu transportieren, selbst wenn er einen anderen Weg als die Truhe zu Ihnen nehmen würde.
Trotz dieses gleichen Ansatzes zur Geheimhaltung unterscheiden sich OpenPGP und S/MIME aber zum Beispiel bei der Schlüsselerzeugung (Näheres erfahren wir später in Kapitel 5).
Falls Sie sich jetzt fragen, wie das Public-Key-Verfahren so funktionieren kann, lesen Sie einmal Kapitel 12. Wenn Sie sich dann noch fragen, warum Gpg4win so sicher ist, sind vermutlich die Kapitel 24 und 25 genau das richtige für Sie!Mit ein wenig Interesse und Zeit kann man dort auch die kleinen mathematischen Geheimnisse verstehen. Viel Spaß beim Entdecken.
Der wesentlichste Unterschied zwischen OpenPGP und S/MIME liegt im Bereich der Authentifizierung.
Um die Authentizität des Absenders festzustellen, ist bei S/MIME ein Zertifikat notwendig, welches die Authentizität des Schlüssel-Besitzers unzweifelhaft beglaubigt. Das heisst, dass ich meinen öffentlichen Schlüssel von einer dazu berechtigten Organisation zertifizieren lassen muss, bevor er dadurch wirklich nutzbar wird. Diese Organisation wurde wiederum von einer höher stehenden Organisation zertifiziert usw. bis man zu einem Wurzel-Zertifikat kommt. Vertaut man nun diesem Wurzel-Zertifkat, so vertaut man automatisch allen darunter liegenden Zertfizierungen. Das nennt man hierarchisches Vertrauenskonzept. Zumeist ist die Kette nur 3 Elemente lang: Wurzel, Zertifizierungsstelle (auch CA für Certificate Authority genannt), Anwender. Wurzel zertifiziert CA, CA zertifiziert Anwender.
Im Gegensatz dazu erlaubt OpenPGP neben dieser baumartigen Zertifizierung zusätzlich auch eine direkte „peer-to-peer“ Zertifizierung (Anwender A zertfiziert Anwender B, B zertifiziert A und C usw.) und macht damit aus einem Zertifizierungs-Baum ein Zertifizierungs-Netz, das sogenannte Web-of-Trust. Im Fall der direkten Authentifizierung bei OpenPGP haben Sie also die Möglichkeit, ohne die Zertifizierung von einer höheren Stelle verschlüsselte Daten und E-Mails auszutauschen. Dafür reicht es aus, wenn Sie der E-Mail-Adresse und dem dazugehörigen Zertifikat ihres Kommunikationspartners vertrauen.
Nähere Informationen zu Authentifizierungswegen, wie zum Beispiel dem Web-of-Trust oder den Zertifizierunsstellen, erhalten Sie später in Kapitel 16.Was bedeutet das für Sie?
Falls Ihnen all das etwas zuviel Informationen waren, machen Sie sich keine Sorgen: In den folgenden Kapiteln wird jeder Schritt von der Installation bis hin zur Verschlüsselung sowohl mit OpenPGP als auch mit S/MIME detailliert erklärt.
Die beiden nachfolgenden Symbole weisen Sie in diesem Kompendium auf spezifische Erklärungen zu OpenPGP bzw. S/MIME hin, so dass Sie immer schnell überblicken, welche Besonderheiten bei welchem Konzept zu beachten sind.
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